Portrait - Definition und Abgrenzung

von Dr. Sonja Fabian

Wenn hier vom Portrait oder Bildnis die Rede ist, so ist dieser Begriff nicht so eindeutig angelegt, wie man eingangs meinen möchte. Es erscheint daher sinnvoll, den Gegenstand der Forschung näher zu umreißen.
Unter Portrait oder Bildnis verstehen wir gemeinhin das „erkennbare Abbild eines konkreten Menschen“ (Adolf Reinle). Der Grad der Wirklichkeitstreue der Darstellung fällt dabei in unterschiedlichen Zeiten und auch entsprechend den individuellen Auffassungen von Künstlern und Auftraggebern ganz unterschiedlich aus. Entscheidend ist, dass das Bildnis als das eines bestimmten Menschen verstanden wurde und als solches auch erkennbar sein sollte. Portraits finden sich in einer unübersehbaren Fülle in allen darstellenden Medien und Techniken und in den unterschiedlichsten Zusammenhängen.
Innerhalb dieser kaum übersehbaren Fülle besteht der Rahmen dieses Projekts in der Erfassung des so genannten „autonomen“ Portraits – jener Form des gemalten Bildnisses also, das uns den Dargestellten auf einem eigenen, transportablen Bildträger präsentiert und ihn als konkreten, erkennbaren Menschen zur Anschauung bringt. Die Herausstellung einer bestimmten Person bildet hier das eigentliche Thema des Bildes. Dies gilt natürlich neben dem Einzelbildnis auch für das Doppel- und Gruppenbildnis.

Unberücksichtigt bleiben müssen in diesem Zusammenhang Bildnisse im Medium der Plastik und des Reliefs, wo Bildnisse etwa im sepulkralen Bereich in Erscheinung treten, ebenso der Wandmalerei, in der uns Bildnisse seit dem Hochmittelalter u. a. in Form von Kryptoporträts oder Stifterdarstellungen begegnen, sowie der Buchmalerei und des Buchdrucks, in denen das Bildnis im Kontext des gesamten Werks zu sehen ist.
Im Medium der Tafel- bzw. Leinwandmalerei zu vernachlässigen sind Darstellungen anbetender Stifter in Altartafeln, Stifterbildern, Epitaphien, Votiv- und Andachtsbildern, aus deren Zusammenhängen sich das autonome Portrait räumlich wie auch funktional gelöst hat. Zu erwähnen bleibt, dass die Grenzen zwischen den Gattungen fallweise auch fließend verlaufen können. Ein weiterer Bereich, der vom autonomen Portrait zu unterscheiden ist, ist jener der Studien, die zwar die Physiognomie eines bestimmten Menschen zeigen, allerdings als ein Modell für andere Bildzusammenhänge.
Unberücksichtigt bleiben soll auch das fotografische Bildnis, welches das gemalte Bildnis heute weitgehend abgelöst hat und das einen eigenständigen Forschungsbereich bildet.







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